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Mitschwimmen im Mainstream

Bio wächst, wenn auch zaghaft. Am Bio-Symposium in Luzern beleuchteten Akteure und Fachleute die Entwicklung der Branche und wagten einen Blick in die Zukunft: Wie kann sich die Bio-Produktion zu einer zentralen Säule einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion entwickeln? Bionetz.ch zählt zur Trägerschaft der Veranstaltung.

1Bioberater und Projektleiter André Liner stellte den Luzerner Aktionsplan vor. Bild: Andreas Basler, Fibl

Eine gut gelaunte Moderatorin (Daniela Lager) begrüsste die knapp 150 Gäste in der Messe Luzern. Der Ort der Durchführung war dieses Jahr Programm: Mit dem Aktionsplan Biolandbau geht der Kanton Luzern voran in Sachen Bio und nutzt das Symposium als Schaufenster für die bisherigen Errungenschaften und in die laufenden Prozesse.

André Liner, Koordinator des Aktionsplans, gewährte einen Einblick in den aktuellen Stand der Arbeiten im Kanton. Er betonte, wie wichtig es sei, zuerst den Absatz zu fördern; die Produktion werde auf jeden Fall nachziehen. Man nimmt sich in Luzern auch des schwierigen Themas Gastronomie an: Für die Verpflegung unter der Ägide des Kantons gilt ein Ziel von 20 Prozent Bio in der Beschaffung. Eine Beschaffungsrichtlinie fördert differenziert weitere Nachhaltigkeitsaspekte, erklärte Liner dem Publikum. Diese will man mit Pilotbetrieben testen.

Später überbrachte der Regierungsrat Fabian Peter, quasi der oberste Programmleiter, den Gruss der Luzerner Regierung. Er verwies darauf, dass der zweite Schwerpunkt neben dem Biolandbau auf den Spezialkulturen liege, während allerdings die Tierhaltung bei weitem die grösste Wertschöpfung in der Luzerner Landwirtschaft ausmache.

2Podiumsdiskussion mit (v.l.) Daniela Lager (Moderation), Urs Brändli (Präsident Bio Suisse), Felix Löwenstein (Agrarwissenschaftler, D), Johanna Gollnhofer, (Marketingprofessorin Universität St. Gallen), Renato Isella (Rektor Berufsbildungszentrum BBZN Luzern), Susanne Morach (Koordinatorin Fourchette verte), Gerold Rahmann (Thünen-Institut, D). Bild: Andreas Basler, Fibl

«Bunter Genuss» für die Jugend

Als dritter Luzerner Vertreter gewährte Renato Isella, Rektor des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (BBZN), einen Einblick in die Transformation der Ernährung in der Gemeinschaftsgastronomie. Er postulierte ein milliardenschweres Bio-Potenzial in der Gastronomie und versicherte, dass der Kanton hier eine Vorbildfunktion wahrnehmen wolle. Allerdings sei zu beachten, dass die Kanaltreue in der Gastro viel geringer sei als im Detailhandel. Der Weg in den BBNZ-Mensen führt nun nicht über Bio, sondern über ein eigenes Prädikat, das er mit «buntem Genuss» charakterisierte. «Wir wollen informieren, nicht erziehen«, betonte der Agronom, der lange in leitender Biomarkt-Position bei Migros und Coop gearbeitet hat.

Den schweizweiten Rahmen beleuchtete Susanne Morach von Fourchette verte. Der Verband hat heute mehr als 1700 Betriebe der Gemeinschaftsgastronomie zertifiziert und 300 davon mit dem Zusatzlabel «Ama terra» ausgezeichnet, das sich als Nachhaltigkeitslabel versteht.

Die Macht des Marketings nutzen

«Bio steckt in der Nische fest», postulierte Marketingprofessorin Johanna Gollnhofer von der Uni St. Gallen. Sie erläuterte «Das 60%-Potenzial», das sie als Ko-Autorin eines gleichnamigen Sachbuchs 2024 identifiziert hat. Mit den üblichen Kundenversprechen, die mehr auf Weltrettung denn persönlichen Nutzen aus seien, sässen viele Händler «in der Öko-Falle». Herausführen könne beispielsweise der Aufbau einer wirklich starken Marke – für die seien die Konsument*innen dann auch bereit, mehr zu bezahlen, versicherte die Direktorin des Instituts für Marketing und Consumer Insights. Am Beispiel einer Magnum-Werbung (Glacéstängel von Unilever) illustrierte sie, wie sich die Botschaften verschoben, nachdem der ursprüngliche Vegan-Claim nicht verfangen hatte.

3Der Politik-Workshop widmete sich drei konkreten Fragestellungen. Bild: Andreas Basler, Fibl

Von der Theorie in die Praxis

Tagungen wie das Bio-Symposium bieten die seltene Gelegenheit, sich mit Fachleuten ganz verschiedener Disziplinen auszutauschen. Nicht nur beim Pausenkaffee, sondern dieses Jahr auch in drei Workshops, die für den Nachmittag angesetzt waren:

  • Die Rolle der Wissenschaft bei der Förderung von Bio
  • Kreativwerkstatt: Bio für die 60 %
  • Drei Aufgaben für die Politik

Dank dem engagierten Wirken der Teilnehmenden ging daraus ein bunter Strauss von Ideen hervor, in der Kreativwerkstatt sogar konkret umgesetzt in Form von Verpackungsdesign und Marketingstrategien mit Influencern, wie das Gollnhofer am Vormittag empfohlen hatte.

4Das Publikum wählte – prämiert wurde ein Vorschlag aus dem Workshop Politik, die Vorbildrolle des Kantons zu stärken. Bild: Andreas Basler, Fibl

In der Publikumsgunst obsiegten allerdings beim abschliessenden Voting nicht die bunten Designs, sondern die politischen und wissenschaftlichen Vorschläge. Konsens war jedoch ohnehin: Es braucht Anstrengungen auf allen Ebenen, um Bio noch weiter in den Mainstream zu bringen.

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