Bioanbau: Nachhaltige Landwirtschaft ist nur möglich, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten ihr Verhalten ändern und viel weniger Fleisch essen. Und über die ganze Produktion darf nichts weggeworfen werden.

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Fausta Borsani // In vielen Artikeln der letzten Wochen wurde der Biolandbau kritisiert, weil er weniger Ertrag als der konventionelle bringt und dadurch die Fläche für die Produktion von Lebensmitteln vergrössert werden müsste. So aber würde gemäss einer aktuellen britischen Studie die Umstellung auf 100 Prozent Bio die Treibhausgasemissionen des Sektors Landwirtschaft erhöhen, weil man neues Land urbar machen müsste und dadurch unsere Ur-Wälder, die jetzt ganz viel Kohlendioxid speichern, zerstören würde.

Allerdings lässt diese Kritik drei wichtige Argumente ausser acht. Paul Mäder, Leiter des Departements für Bodenwissenschaften am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (Fibl) in Frick führt aber aus, dass Treibhausgase und Landverbrauch wichtig seien, aber dass Bio-Landbau noch viel mehr bringe: «Auch die Biodiversität, die Belastung der Böden und des Wassers mit Pestiziden sowie die Bodenqualität im Allgemeinen sind wichtig», sagt Mäder. Und hier schneidet der Biolandbau erstens deutlich besser ab.

Zweitens müsste man berücksichtigen, dass heute ganz viel Ackerland dazu genutzt wird, Futter für die Tiere zu produzieren, die unseren übertriebenen Hunger nach Fleisch stillen müssen. Wenn man diese Tatsache ändern könnte und auf bestehendem Ackerland Nahrung für die Menschheit produzieren würde, wären die geringeren Erträge des Bio-Landbaus (durchnittlich zirka 30% weniger) schnell kompensiert. Die Verminderung der Fleischproduktion würde weltweit auch den Ausstoss an hochklimaschädlichen Methangasen verkleinern.

Drittens wird heute entlang der ganzen Produktionskette viel Essen weggeschmissen. Food Waste nennt sich die grosse Verschwendung von Nahrung für Mensch (und Tier). Schätzungsweise 1/3 aller weltweit produzierten Lebensmittel gehen nach den Daten der FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, verloren oder werden vernichtet. Schon eine Verbesserung dieser unsinnigen Vergeudung würde die Mindererträge vom Bio-Landbau fast wettmachen.

Und schliesslich wird auch der Bio-Landbau durch bessere Sorten, moderne Verfahren wie Mischanbau und Forschung immer ertragreicher und erhält dabei langfristig unsere wichtigste Produktionsgrundlage: den Boden.

 

 

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