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Luft nach oben bei Schweizer Biodiversität

Der Zustand der Biodiversität in der Schweiz ist gemäss SCNAT nach wie vor ungenügend. Der Rückgang hat sich seit der Jahrtausendwende aber verlangsamt und punktuell zeigen sich positive Entwicklungen.

Die Trendwende ist möglich: Die Gesellschaft muss dazu Lösungen finden. Bild: SCNAT/tnt-graphics

Der vom Forum für Biodiversität herausgegebene neue Bericht stellt den Zustand und die Veränderungen der Biodiversität in der Schweiz dar: Gestützt auf Daten, Studien und Expert:innenwissen beschreibt dieser, wie sich die biologische Vielfalt in den verschiedenen Lebensräumen in den letzten 15 Jahren entwickelt hat.

Weichen richtig stellen

Der Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten» zeigt zudem, welche Faktoren die Biodiversität derzeit am stärksten beeinflussen und welche Ereignisse in Politik und Gesellschaft dafür wichtig waren. Und er legt dar, wie wir die Weichen stellen können, damit kommende Generationen eine reichhaltige und funktionsfähige Biodiversität als Lebensgrundlage vorfinden.

Der Druck der Menschen auf die Biodiversität ist anhaltend hoch: Ein hoher Konsum führt zu intensiver Landnutzung, Umweltverschmutzung, invasiven gebietsfremden Arten und Klimawandel. So hat die Landschaftszerschneidung zwischen 2014 und 2020 um sieben Prozent zugenommen. Die Lichtverschmutzung hat sich zwischen 1994 und 2020 verdoppelt.

Die durch Menschen verursachten Stickstoffeinträge über die Luft haben seit 1990 zwar abgenommen. Es gelangt jedoch immer noch zu viel Stickstoff in zahlreiche Lebensräume. Wegen den zahlreichen negativen Einflüssen sind mehr als ein Drittel aller Arten in der Schweiz weiterhin gefährdet, Artengemeinschaften werden sich immer ähnlicher.

Verlangsamter Rückgang

Nach den starken Verlusten im letzten Jahrhundert hat sich der Rückgang der Biodiversität in den letzten Jahren teilweise verlangsamt. Das Niveau bleibt jedoch tief. So ist in Gewässern, im Siedlungsraum und im Landwirtschaftsgebiet von der Talzone bis zu den unteren Bergzonen der Zustand der Biodiversität nach wie vor «schlecht». Im Wald hat sich der Zustand auf «mittel» verbessert. Hingegen ist in den oberen Bergzonen des Landwirtschaftsgebiets der Zustand von «gut» auf «mittel» zurückgegangen.

Nach wie vor als «gut» wird der Zustand der Biodiversität in alpinen Lagen oberhalb der Waldgrenze eingestuft. Die Bestände gewisser Arten, etwa wärmeliebender und mobiler Arten, entwickeln sich positiv. Zudem konnten mehrere grosse Tierarten wie Reh und Biber die Gebiete, aus denen sie zuvor verschwunden waren, wieder besiedeln.

Die Fördermassnahmen von Bund, Kantonen, Gemeinden und vielen weiteren Engagierten zeigen eine messbare Wirkung, meist lokal oder regional, teils sogar national. «Damit sich der Zustand der Biodiversität insgesamt verbessern kann, müssen bestehende Gesetze konsequenter vollzogen, Programme ausgebaut und mit anderen Politikbereichen besser abgestimmt werden», heisst es in der Medienmitteilung der Akademie der Naturwissenschaften SCNAT. Eine Trendwende sei also möglich, es bedürfe aber eines stärkeren Einsatzes der gesamten Gesellschaft.

Funktionierende Lösungen

Forschungsresultate deuten darauf hin, dass das Thema Biodiversität stark politisiert ist. Wenn Menschen in der Schweiz den Zustand der Biodiversität beurteilen, habe dies kaum etwas mit dem Zustand an ihrem Wohnort zu tun, sondern zeige eher einen Zusammenhang mit ihrer politischen Einstellung, heisst es weiter.

Bei der Biodiversität geht es jedoch um zentrale Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser, gesunde Böden, den Schutz vor Naturgefahren sowie um Gesundheit und Erholung. Die Gesellschaft sei deshalb darauf angewiesen, im Dialog gemeinsame, funktionierende Lösungen zu finden.

Das Forum Biodiversität Schweiz gehört zur Plattform Wissenschaft und Politik der SCNAT. Es trägt schweizweit dazu bei, dass der Rückgang der Biodiversität und der Verlust ihrer Ökosystemleistungen gestoppt werden und die Vielfalt der Lebensräume, Arten und Gene langfristig erhalten bleiben.

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