WWF-Bericht: Natur ist die beste Versicherung
Die Folgen der Klimakrise und der Zerstörung der Natur verursachen zunehmende Schäden. Gleichzeitig sind immer weniger dieser Schäden versichert, mit dramatischen Folgen für Menschen, Unternehmen und die Weltwirtschaft.
Extremwetter aufgrund der Klimakrise nehmen zu, die Widerstandsfähigkeit nimmt ab. Bild: Pixabay
Die besten Chancen, die Versicherbarkeit zu wahren, sind gemäss einem neuen WWF-Bericht eine intakte Natur und wirksamer Klimaschutz. Während Extremwetter aufgrund der Klimakrise laufend zunehmen, nimmt unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Ereignissen aufgrund des Naturverlusts laufend ab. Die Entwicklungen verstärken sich gegenseitig mit fatalen Folgen. So kann das Risiko für grossflächige Überflutungen in entwaldeten Gebieten um das Siebenfache ansteigen.
Landwirtschaft und Lieferketten
Indirekte Effekte eingerechnet, verursachten Naturrisiken wie Dürren, Unwetter, Überschwemmungen, Insektensterben oder Waldbrände im Jahr 2023 Schäden in der Höhe von 2,3 Billionen US-Dollar. Weil Risiken kaum noch gedeckt werden können, ziehen sich Versicherer aus Regionen zurück oder die Prämien werden derart hoch, dass sie sich niemand mehr leisten kann. Zwischen 2015 und 2024 sind die unversicherten Schäden weltweit durchschnittlich um sechs bis zehn Prozent gestiegen.
Besonders dramatisch ist die Lage in den USA: Zwischen 2021 und 2024 lag die Versicherungslücke durchschnittlich bei 64 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Doch auch in Europa wird die Versicherungslücke immer grösser und wuchs zwischen 2021 und 2023 auf jährlich 59 Milliarden Euro. Neben Gebäuden sind auch die Bereiche Infrastruktur, Landwirtschaft, Lieferketten und Gesundheit zunehmend von nicht versicherten Schäden betroffen.
Risiken für Standort Schweiz
Auch in der Schweiz sind die Schadenskosten in den letzten zehn Jahren gestiegen. Mit 74 Prozent liegt die Schadensdeckung im internationalen Vergleich jedoch hoch. Gründe dafür sind die obligatorischen Gebäudeversicherungen sowie Investitionen in Prävention, vor allem in den Hochwasserschutz rund um Gewässer und Schutzwälder. Doch gerade in Bezug auf Überschwemmungen durch Starkregen und damit verbundenes Oberflächenwasser gibt es grosse Herausforderungen: 62 Prozent der Gebäude in der Schweiz sind diesem Risiko ausgesetzt.
Neben den physischen Risiken stellen systemische Risiken die grösste Gefahr für den Versicherungsstandort-Schweiz dar. Wenn hohe Unwetterschäden mit einem Börsencrash oder einer Schuldenkrise zusammenfallen, trifft das speziell die weltweit tätigen Rückversicherer hart. Der Bericht zeigt, wie die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA und die Nationalbank ihre Risikoanalysen ergänzen können.
Naturbasierte Lösungen
Damit die Versicherungslücke nicht weiter wächst, plädieren die Autor:innen für einen ganzheitlichen Ansatz. Die Grundlage bilden naturbasierte Lösungen. Zusätzlich müssen staatlich unterstütze Versicherungslösungen so ausgestaltet sein, dass Anreize entstehen, Risiken zu reduzieren, anstatt weiterhin in Hochrisikogebieten zu bauen. Nicht zuletzt sind die Herausforderungen nur zu bewältigen, wenn sie an den Wurzeln angepackt werden: Internationale und nationale Anstrengungen gegen Naturverlust und zur Reduktion von Treibhausgasen sind deshalb unerlässlich, so die Autor:innen.
Etwa vier Milliarden Franken jährlich: so hoch wird der Wert der Schutzfunktion des Waldes in der Schweiz beziffert. Waldbestände in Gefahrenzonen, oftmals an Hängen, schützen Häuser und Infrastrukturen in angrenzenden Gebieten vor Lawinen, Erdrutschen, aber auch Überschwemmungen und Erosion. Im Vergleich zu technischen Massnahmen mit gleichwertiger Schutzfunktion wie Lawinenverbauungen ist der Erhalt von Schutzwald, über hundert Jahre gerechnet, rund 25-mal günstiger.
Der Bericht «Tackling the insurance protection gap» entstand in Zusammenarbeit verschiedener WWF-Büros (UK, USA, Deutschland, Österreich und der Schweiz). Ein breites Konsortium aus Universitäten, NGOs und Versicherungen (Allianz, Generali, Howeden Group Holdings, Cambridge Institute for Sustainability Leadership, UC Berkeley, LSE, European Climate Foundation etc.) unterstützte die Arbeit beratend.
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