Zur besten Sendezeit gab es am 3. Juni 2014) ein Bio-Bashing der besonderen Art. Filmautor Christian Jentzsch in einer langatmigen Darstellungsweise Beispiele von Bio-Betrieben, die suggerieren sollten, sie stünden stellvertretend für die gesamte Bio-Branche. Auch innerhalb der Bio-Branche wird kontrovers diskutiert über Bio-Produkten aus agrarindustriellen Betrieben oder über Kontinent übergreifende Ferntransporte. Den Eindruck erwecken zu wollen, mit bio sei der Endverbraucher vollkommen auf dem verkehrten Weg, kann sich der Betrachter am Ende der 90 Filmminuten nicht erwehren. Erfrischend direkt und ausführlich ist die Reaktion von Jan Freitag in «Zeit online».

«Wer glaubt, dass biologischer Anbau das Werk einer Ernährungsmafia ist, konnte sich durch die Doku «Die Bio-Illusion» bestärkt fühlen.» Weiter heisst es in der Kulturspalte von «Zeit Online», es etabliere «sich eine breite Front gegen jede Form biologischer Erzeugung, die als sinnlos, überteuert, schädlich, uncool, freiheitsberaubend, betrügerisch, oder als alles zusammen verunglimpft wird. Verbreiter solch dumpfer Kundenverblödung, von Bild bis Bauernverband, halten es fast genauso mit gewissenhafter Informationsverbreitung wie Nordkoreas Propagandaministerium.»

«Wenn indes selbst vernunftbegabte Medien einen Keil zwischen Bauch und Hirn treiben, wird es haarig. Auf der Jagd nach Schindludern kontrolliert biologischen Anbaus, kurz kbA, reist Christian Jentzsch um die halbe Welt. Sobald er welche findet, hagelt es Kampfbegriffe von Goldrausch bis Landräuber. Zeigt er dagegen jene, die es ernst meinen mit der sauberen Zukunft, stecken sie ihre Nase zu Kirmesmusik in wurmigen Mulch, als sei es Schokopudding.»

«Bei Jentzsch gibt's Bio nur in zwei Darreichungsformen: Skrupellos oder skurril. Er fischt im Trüben einer thailändischen Aquakultur, die für vermeintliche Bio-Garnelen zwar deutsche Fördergelder absahnt, aber herkömmlich die Umwelt verpestet. Er klettert auf die Alb, wo Bauer Jäckle, entnervt vom Metier, schwäbelnd sein Bio-Siegel abgibt.

Er fliegt ans Mar del Plástico unter Südspaniens sengender Sonne, wo nachhaltiges Wohlstandsgemüse unter gigantischen Kunststoffplanen Tag für Tag das Grundwasser leer säuft. Der Reporter leistet also allerlei löbliche Basisrecherche und denkt dabei doch kürzer, als die gequälten Bioputen vorm Nachtsichtgerät einer Tierschutzguerilla fliegen können.»

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