×

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 1185

Bio reicht nicht mehr als Leistungsversprechen, so das Fazit der Fachtagung von bionetz.ch vom 15. Juni. Bioläden müssen sich emotional und sexy verkaufen, wie der Berliner «Grüne Kopf» Jörg Reuter riet. Respektive als Produkte- oder Dienstleistungsführer etablieren, wie es Nachredner Professor Tomas Rudolph von der Uni St. Gallen formulierte.

Markus Johann - Lebensmittel stehen inmitten von unterschiedlichen Ansprüchen. Die Industrie bietet Science, rationale Verfahren und Systeme, um Lebensmittel effizient zu produzieren, praktisch zu verpacken und verteilen. Die Menschen suchen jedoch Romance, das heisst das Ursprüngliche und Intuitive, den lustvollen und sinnlichen Umgang mit Essen. Lebensmittel sollen zudem sexy sein, also Geschichten zu den Produkten erzählen und damit die Kundenbindung stärken. Unter diesen Schlagwörtern formulierte Jörg Reuter von den Grünen Köpfen eingängige Botschaften an die Adresse der Teilnehmenden der Bionetz-Fachtagung, die dieses Jahr im Rahmen des VELEDES-Fachkongresses vom 15. Juni in Sursee stattfand. Reuter war extra aus Berlin angereist, was die rund 60 Teilnehmenden des Vormittagsprogramms sehr zu schätzen wussten.

Jörg Reuter bei seinem Referat KopieDer Berliner Strategieberater Jörg Reuter erklärte, wie aus seinem Bioaden ein Hotspot für Delikatessen wurde (Fotos: Markus Johann).

Gute Produkte erzählen eine Story

Zu Beginn erzählte Reuter von seinen eigenen Erfahrungen als Detaillist. Er ist Mitbesitzer eines Gourmetladens in Berlin, der etwa 70 Prozent Bioprodukte im Sortiment führt. Dass sein Laden innert kürzester Zeit zu einem Hotspot für Delikatessen geworden ist, führt Reuter auf Folgendes zurück: «Die Leute kommen zu uns, weil sie ehrliche, authentische, gut schmeckende und transparent hergestellte Produkte finden. Mit unseren Produkten erfüllen wir die Sehnsuchtsträume unserer Kundinnen und Kunden. Der Ursprung und die Herkunft von unseren Produkten sind dabei zentral. Unsere Kooperationen mit Produzent/-innen ist einzigartig.» «Überlegen auch Sie sich darum, wo Sie mit Lieferanten intensivere Kooperationen eingehen können», war denn auch einer der Tipps von Reuter. Sein Erfolgsrezept, das er aus seinen Erfahrungen als Detaillist und Strategieberater von teilweise grossen Unternehmen an die Anwesenden weitergab, lautete in Kurzform:

  • Mehr Qualität
  • Mehr Transparenz
  • Mehr Kompetenz
  • Mehr Kooperation
  • Mehr Kommunikation über die Produkte

Sich gegenüber von Billig-Bio profilieren

In der anschliessenden Diskussionsrunde im Plenum ging Reuter auf die individuell gestellten Fragen oder Bemerkungen ein. Die zunehmende Verbreitung von Alnatura war ein wichtiges Thema. «Alnatura ist eine Billig-Biokette. Wenn Sie mit diesen Preisen mithalten wollen, haben sie von Anfang an verloren. Sie müssen sich mit anderen Punkten profilieren können», riet Reuter. Viel Gesprächsstoff bot die Frage, weshalb solche Preisdifferenzen zwischen Schweizer und Importprodukten auch bei Bio vorhanden seien. Eine Patentlösung hatte niemand auf Lager, jedoch registrierten alle Teilnehmenden wertvolle Tipps.

Blick ins Plenum während den interessanten Diskussionen KopieDas Publikum liess sich vom Fachreferat inspirieren und beteiligte sich anschliessend an den interessanten Diskussionen im Plenum.

Leistungsversprechen, die bei den Kunden ziehen

Der Nachmittag begann mit einem fesselnden Referat von Prof. Dr. Tomas Rudolph von der Universität St. Gallen. «Lebensmittelhandel qua vadis» lautete der Titel. Rudolph stütze die Thesen von Jörg Reuter vom Vormittag: «Wenn Sie sich mit einem Preisversprechen – also vor allem günstigen Verkaufspreisen – gegenüber ihren Kunden profilieren möchten, dann haben Sie von Anfang an verloren. Das machen die Billigdiscounter und Grossverteiler schon zur Genüge und können dies auch viel besser». Auch Rudolph riet  den Teilnehmenden, auf andere Leistungsversprechen zu setzen und sich zum beispielsweise als Produktführer in einem bestimmten Segment zu etablieren. Etwa mit regionalem Käse. Oder als Dienstleistungsführer eine Marktlücke zu schaffen, indem man Hauslieferungen anbiete, eigene Rezepte kreiere oder Kundenabende organisiere. Eine hohe Innovationsbereitschaft, Preissicherheit durch Marktanalysen und Mehrwertkommunikation nannte er als wichtige Erfolgsfaktoren. Zudem gelte es, die Nachkaufphase mehr zu beachten. Gemeint ist, den Kunden nach dem Kauf eines Produktes beispielsweise eine Infobroschüre, ein Rezept für eine passende Sauce oder eine Weinempfehlung mitzugeben. Damit dieses Innovationspotenzial gut genutzt werden könne, müssten die Mitarbeiter/-innen unbedingt eingebunden werden.

Prof. Dr. Thomas Rudolph Uni St.Gallen bei seinem Referat Bild Veledes KopieProf. Dr. Thomas Rudolph von der Univerität St.Gallen forderte die Teilnehmenden heraus, dem Wandel im Lebensmittelmarkt innovativ zu begegnen.

Ein Fachkongress mit Wiederholungspotenzial

Anschliessend an das Referat von Rudolph hatten die Teilnehmenden die Wahl zwischen zwei einstündigen Workshops. Darin ging es unter anderem um Themen wie Allergien und Intoleranzen, Sicherheit und Diebstahlprävention, Personalführung, Neue Lebensmittelverordnung. Nach dem inspirierenden Fachkongress scheint eine Wiederholung sehr wahrscheinlich.

www.gk-strategie.de

Website Universität St. Gallen

2 unserer Mitglieder

Neue Mitglieder

Nach oben