Die Situation ist paradox: Das Geschäft mit Bio-Produkten wächst von Jahr zu Jahr. Die Zahl der Bio-Bauern ist hingegen rückläufig. Um zu verhindern, dass dadurch immer mehr Marktanteile ans Ausland verloren gehen, sucht Bio Suisse neue Bio-Bauern. Hilfe erhofft sich die Knospe-Organisation von der Politik.

Von Michael Wahl, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Die Entwicklung der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln kennt nur eine Richtung: nach oben. Auch 2010 ist der Bio-Markt wiederum gewachsen. Um satte sechs Prozent nahm der Umsatz im letzten Jahr zu. Und wiederum erreichten die Verkäufe eine Rekordmarke: 1,6 Milliarden Franken. 1997 waren es noch bescheidene 487 Millionen Franken.

In eine ganz andere Richtung zeigt hingegen die Entwicklung der Anzahl Bio-Betriebe: Nach einer Phase des kontinuierlichen Wachstums nimmt deren Anzahl seit einigen Jahren ab. Gab es 2006 noch 6'451 Biohöfe, waren es 2010 lediglich noch 5'913 (über die Gründe siehe S. 6). Die bewirtschaftete Bio-Fläche blieb mit knapp 120'000 Hektaren in den letzten Jahren indes unverändert.

Wachsende Nachfrage einerseits, stagnierendes Angebot andererseits: Das hat zur Folge, dass immer mehr Bio-Produkte importiert werden müssen. Bio Suisse ist dies ein Dorn im Auge, weshalb die Knospe-Organisation im letzten Jahr eine "Bio-Offensive" startete. Auf der einen Seite sollen die bestehenden Bio-Bauern gestärkt werden, etwa mittels Beratung und Bildung; auf der anderen Seite sollen neue Bio-Bauern gewonnen werden. So wurde unlängst eine Broschüre an beinahe alle Schweizer Bauernfamilien versendet, worin für den Biolandbau geworben wird.

"Die Biolandwirtschaft hat heute im Vergleich zur konventionellen Produktion klare ökonomische Vorteile", erklärte Martin Bossard, Leiter Politik bei Bio Suisse, an der Jahresmedienkonferenz vom 30. März. So haben Berechnungen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) ergeben, dass Bio-Betriebe gegenüber vergleichbaren konventionellen Höfen jährlich 8'000 Franken (Bergregion) respektive 15'700 Franken (Talregion) mehr einnehmen.

Politik soll Zeichen setzen

Bossard weiss, dass Bauern erst dann auf Bio umstellen, wenn auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. In diesem Bereich bestehe Handlungsbedarf. Bio Suisse fordert vom Bund ein klares Signal für den biologischen Landbau. Etwa in Form höherer Direktzahlungen. "Von den 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen sollen laut Bundesrat auch weiterhin nur rund ein Prozent ausschliesslich den Biobetrieben zu Gute kommen", beklagt Bossard. Vor allem müsse ein "Aktionsplan Bio" her wie in Österreich, wo der Biolandbau gefördert wird. An der Weiterentwicklung der Direktzahlungen kritisiert Bio Suisse, dass die Mittel zu wenig leistungsbezogen ausbezahlt werden sollen.

Trendwende in Sicht

Die Bemühungen von Bio Suisse, neue Produzenten zu gewinnen, zeigen bereits erste Erfolge. Bis Anfang dieses Jahres haben sich 173 Bauernbetriebe zur Umstellung angemeldet, erklärte Bio Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi. Gegenüber 2010 entspreche dies einer Verdoppelung. Die Aussichten für die neuen Bio-Bauern sind gut, zum Beispiel beim Obst. So kann derzeit die Nachfrage nach Erdbeeren, Sommerhimbeeren, Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen in biologischer Qualität bei Weitem nicht gedeckt werden. Auch bei Eiern, so Bio Suisse, sei das Absatzpotenzial noch nicht ausgeschöpft. Besonders krass ist das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aber bei den Ackerkulturen. Brotgetreide wird zu mehr als 50 Prozent importiert. Derzeit fehlen 5'000 Hektaren Weizen, 500 Hektaren Roggen und 200 Hektaren Dinkel. Gefragt ist auch Raps. Alleine Coop könnte die zwei- bis vierfache Menge an Knospe-Rapsöl absetzen. Anders sieht es bei der Bio-Milch aus. In diesem Bereich ist der Markt gesättigt. Je nach Saison müssen zehn bis zwanzig Prozent der Biomilch gar als konventionelle Milch verkauft werden.

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