Die Schweiz verliert jährlich fast 18 Quadratkilometer Boden durch Versiegeln, mehr als die Fläche des Sempachersees im Kanton Luzern. Eine neue Auswertung der Arealstatistik zeigt, dass auf der Hälfte dieser Böden zuvor Nahrungsmittel produziert wurden.

boden des jahres 2024 1070Der Boden des Jahres 2024 ist die Parabraunerde im Wald. Bild: Gabriela Brändle & Fachstelle Bodenschutz Kanton Zürich

Im Siedlungsgebiet gingen Rasenflächen, Beete und von Bäumen und Kleinstrukturen bestandene Flächen verloren. Die ehemals grünen Flächen dienten der Erholung, boten Pflanzen und Tieren Lebensräume, sorgten während Hitzeperioden für Kühlung oder nahmen Starkniederschläge auf, wie das Bundesamt für Umwelt BAFU zum internationalen Tags der Böden am 5. Dezember mitteilte.

Bessere Daten für die Erhaltung der Böden

Durch das Verschwinden der Böden zugunsten von Gebäuden, Strassen und befestigten Flächen versiegen auch deren Leistungen zugunsten von Landwirtschaft, Biodiversität oder dem Schutz vor Naturgefahren. Eine breite Partnerschaft aus Behörden, Organisationen der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Raumplanung sowie der Wissenschaft, will diese Verluste stoppen und engagiert sich für die Erhaltung der Böden.

Ein wichtiger Teil dieses Engagements ist das Erheben besserer Daten zur Zusammensetzung und zum Zustand der Böden. Heute existieren erst für rund 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz qualitativ ausreichende Bodeninformationen. Während die regelmässig aktualisierte Arealstatistik mithilfe von Luftbildern Veränderungen an der Erdoberfläche dokumentiert, fehlt also der Blick in die Tiefe. Dabei können Böden schon auf kleinem Raum stark variieren, beispielsweise bezüglich Sickerfähigkeit oder Humusgehalt.

Erst mit ausreichenden Bodeninformationen lässt sich die Nutzung der Böden steuern: Verliert ein Boden etwa die Fähigkeit Niederschläge aufzunehmen, weil er versiegelt wurde, lässt sich diese Einbusse andernorts wettmachen, indem beispielsweise eine dauerhafte Begrünung für mehr Durchlässigkeit sorgt. Gestützt auf zuverlässige Daten können besonders wertvolle Böden besser geschützt werden, etwa als Fruchtfolgeflächen zur Nahrungsproduktion.

Verletzlichkeit der Böden aufzeigen

Böden sind das Ergebnis natürlicher Prozesse und bilden die oberste Schicht der Erdkruste. Sie erfüllen zahlreiche Funktionen und erbringen für die Gesellschaft lebenswichtige Leistungen. Um auf die Verletzlichkeit und den nötigen Schutz von Böden aufmerksam zu machen, rückt die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz BGS jedes Jahr einen Bodentyp in den Fokus. Zum Boden des Jahres 2024 hat sie die Parabraunerde im Wald gekürt.

Parabraunerden sind Braunerden, bei denen Ton aus dem Oberboden in den Unterboden verlagert wird. Durch diese Tonverlagerung ist der Oberboden fahl und der Unterboden intensiv braun. Die Humusformen in den Auflagehorizonten sind im Wald von besonderem Interesse. Mull, Moder und Rohhumus sind die drei häufigsten Humusformen der Schweiz in den Auflagehorizonten nicht-vernässter Waldböden. Die oberste humushaltige Bodenschicht spielt eine zentrale Rolle für die Bodenfruchtbarkeit.

Boden des Jahres 2024: Parabraunerde im Wald (Website Boden des Jahres)

Quelle: «Tag der Böden: Unsere Böden, wertvolles aber wenig bekanntes Gut», BAFU, 5.12.23

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