Schoggifestival präsentiert kleine Manufakturen
Wie vielfältig, politisch und genussvoll Schokolade sein kann, zeigt das Schoggifestival ehrundredlich mit rund zehn Veranstaltungen und einem Markt mit mehr als zwei Dutzend Aussteller:innen. Das Fünf-Jahre-Jubiläum wird am 29. März in der Mühle Tiefenbrunnen in Zürich gefeiert.
Das 5. Schoggifestival bietet ein vielseitiges Programm für Gross und Klein. Bild: zVg
In der Schweiz entstehen seit rund neun Jahren immer mehr kleine Schokoladenmanufakturen, doch im Ladenregal dominieren weiterhin wenige Grosskonzerne, heisst es in der Medienmitteilung des Vereins Good Chocolate Hub, der sich für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in der Wertschöpfungskette von Schokolade und Kakao einsetzt. Während der grösste Teil des Kakaos zu anonymer Massenware verarbeitet werde, wachse im Hintergrund eine Schoggibewegung, die fairere Preise für Kakaoanbauende, Transparenz und Aromen ins Zentrum stelle.
Alternativen aufzeigen
Als Leuchtturm-Projekt der Genussregion Zürich macht das Schoggifestival ehrundredlich diese Pionier:innen sichtbar und bringt Kakaoproduzent:innen, Bean-to-Bar-Schokoladenmacher:innen, NGOs und Schoggifans zusammen, um Alternativen zu den dominierenden Konzernen aufzuzeigen. Über die letzten fünf Jahre hat das Schoggifestival über fünfzig verschiedene Produzent:innen präsentiert und mehr als 5000 Gäste empfangen.
Zu den diesjährigen Höhepunkten gehört der Besuch von Jeanne Donkoh von Bioko Treats, einer Schokoladenproduzentin aus Ghana, die in der Hauptstadt Accra hochwertige Schokolade herstellt und damit gängige Machtverhältnisse in der Branche in Frage stellt. Ebenfalls aus Ghana mit dabei ist Nana Aduna II von Ohene Cocoa, ein innovativer Kakaoverarbeiter und Touristenführer, der Besucher:innen seine Kakaoplantage zeigt und neue Wege im Kakaotourismus erprobt.
Die beiden Expert:innen aus Ghana geben Einblick, wie Wertschöpfung im Ursprungsland funktionieren kann. Und sie sprechen darüber, was es bedeutet, wenn Produzent:innen mehr Kontrolle über Preise, Verarbeitung und Markenführung erhalten. Das bionetz.ch-Mitglied Gebana zeigt auf, wie der Bau einer Schokoladenfabrik in Togo umgesetzt wird.
Faire Preise in der Praxis
Das Festival versammelt erneut zahlreiche Bean-to-Bar-Schokoladenmacher:innen und kleine, nachhaltige Produzent:innen aus der ganzen Welt. Neun Aussteller:innen stammen aus der Stadt Zürich und Umgebung, was die Limmatstadt zu einem wichtigen Hotspot der neuen Schoggibewegung macht.
Besucher:innen können an den 28 Ständen unterschiedliche Schokoladensorten aus der ganzen Schweiz, aus Berlin, Ecuador, Kolumbien, Togo und Ghana verkosten, die Geschichten hinter der Schokolade und den Kakaobohnen kennen lernen und erfahren, wie Transparenz und faire Preise in der Praxis aussehen. Neben Marktständen und Degustationen bietet das Festival ein vielseitiges Programm mit Präsentationen, Workshops und moderierten Gesprächen zu Themen wie Kakaotourismus, Kinderarbeit oder Schokolade aus den Kakaoursprungsländern.
«Das Wort zur Schokolade»
Zu den Höhepunkten des Tages gehört auch die Lesung «Das Wort zur Schokolade», bei der unter anderem der bekannte Food-Journalist und Sensoriker Patrick Zbinden Texte rund um Geschmack, Geschichte und Politik der Schokolade präsentiert. Beim Podiumsgespräch «Macht und Monopol – Wem gehört die Schokolade?» diskutieren Vertreter:innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft über Preisbildung, Machtkonzentration und Verantwortung im globalen Schokoladengeschäft.
Für den Gaumen warten geführte Degustationen mit Schokolade und Brot sowie Wein-und-Schoggi-Kombinationen, bei denen Besucher:innen neue Aromawelten entdecken können. Kinder kommen im eigenen Programm auf ihre Kosten: Beim gemeinsamen Schoggibrot-Backen lernen sie spielerisch, wie aus einfachen Zutaten kleine Schoggimomente entstehen.
Bereits am Vortag des Festivals kommen Produzent:innen, Händler:innen, Gastronomie, Aktivist:innen und Forschende beim Inside Chocolate Lab in der Bean-to-Bar-Manufaktur «laflor» in Zürich zusammen. Nach einer Führung durch die Manufaktur bietet der Nachmittag Raum, Projekte vorzustellen, Kooperationen anzustossen und gemeinsam der Frage nachzugehen, welche Rolle kleine Schokoladenmanufakturen in der Welt der grossen Player übernehmen.
Ein Zeichen setzen
Die Schweiz ist eine gewichtige Akteurin im globalen Schokoladensektor, doch die Branche ist nach wie vor geprägt von Menschenrechtsverletzungen und Abholzung. Das Festival setzt hier ein Zeichen, indem es Fachleute, Familien und Schoggiliebhaber:innen einlädt, mit Expert:innen ins Gespräch zu kommen und sich für mehr Gerechtigkeit bei der Produktion von Schokolade einzusetzen.
Um an Veranstaltungen des Schoggifestivals teilzunehmen, ist stets ein gültiges Schoggifestival-Eintrittsticket erforderlich. Kinder bis einschliesslich 12 Jahre bezahlen keinen Schoggifestival-Eintritt. Kostenpflichtige Veranstaltungen müssen für Kinder und Erwachsene zusätzlich gebucht werden.
Der Good Chocolate Hub ist ein unabhängiger Verein. Seit Jahren thematisiert er die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltprobleme bei Schokolade und Kakao innerhalb der Schweizer Wertschöpfungsketten und Handungsoptionen. Das Schokolade- und Kakaosystem dient dabei als Modell für die Lebensmittelproduktion insgesamt und verdeutlicht die komplexen Beziehungen innerhalb der Lebensmittelsysteme.
Mit unserem beliebten Newsletter finden Sie die neusten Bio-Themen direkt in Ihrem Posteingang.