Zum Hauptinhalt springen
Werbung
161 | 31.03.2026
160 | 23.04.2026
157 |

Chia aus der Schweiz – nicht nur gut fürs Müesli

Gesund und beliebt als Zutat für Frühstücks-Pudding: Chia. Lange Zeit wurden die kleinen Samen aus Südamerika importiert. Doch seit einigen Jahren wächst Chia auch in der Schweiz, zum Beispiel auf dem Bio-Hof Rinderbrunnen in Gossau ZH. Gastautorin Esther Kern war für bionetz.ch vor Ort.

Chia-Samen eignen sich auch als Bindemittel, etwa in Linsenburgern. Bild: Esther Kern

Nicht nur Konsument:innen profitieren vom heimischen Anbau. Auch die Bienen freuen sich. «Wir haben in der Schweiz eher wenige blühende Ackerkulturen», sagt Martin Frei vom Bio-Hof Rinderbrunnen in Gossau ZH. Seit drei Jahren wird dort Chia kultiviert. Die Pflanze blüht im Frühsommer violett und bietet Bestäuber:innen in einer sonst blütenarmen Zeit wertvolle Nahrung.

Auch für die Bodengesundheit ist die Pflanze interessant. Chia heisst auch Salvia hispanica und ist mit dem klassischen Salbei verwandt. «Für die Fruchtfolge ist Chia wertvoll, weil es eine Kultur ist, die es so bislang kaum im Schweizer Ackerbau gibt», sagt Martin Frei. Neue Kulturen können helfen, den Krankheits- und Schädlingsdruck zu reduzieren und die Vielfalt auf dem Feld zu erhöhen.

Profiteurin des Klimawandels

Seit drei Jahren baut man auf dem Bio-Hof Rinderbrunnen Chia an. Die ersten Ernten waren mittelmässig. Im dritten Anbaujahr, 2025, fiel die Ernte jedoch sehr gut aus. Martin Frei führt das auf die vielen Sonnenstunden zurück – Chia liebt Wärme – aber auch auf die gewachsene Erfahrung.

«Wir wissen inzwischen besser, wann wir aussäen müssen, und wir unterstützen die Pflanzen mit konsequentem Jäten», sagt der Bio-Landwirt. Zudem arbeitet der Betrieb mit Sorten, die sich unter Schweizer Bedingungen bewähren. «Grundsätzlich ist Chia wohl eine Gewinnerin des Klimawandels», erklärt er weiter.

Erste Anbauversuche in der Schweiz gab es rund um die St. Gallische Saatzuchtgenossenschaft vor über zehn Jahren. Deren Geschäftsführer Christoph Gämperli zeigt sich immer wieder offen für neue Kulturen. Und so säte er Chia aus, um zu sehen, ob die Pflanze auch in der Schweiz gedeiht.

Zwar sind aus den Samen Pflanzen gewachsen, doch sie bildeten keine neuen Samen aus – ausser einer einzigen. Aus deren Samen vermehrte man dann gemeinsam mit Landwirtschaftsbetrieben Chia-Saatgut, das den Schweizer Bedingungen angepasst ist. Das war ein langwieriger Prozess, der Pioniergeist erforderte. Nebst den Chia-Samen wird mittlerweile auch Chia-Öl angeboten.

Seit einigen Jahren wird Chia auch in der Schweiz angebaut. Bild: Rinderbrunnen

Reich an Ballaststoffen

Der Hof Rinderbrunnen verkauft ihren Chia in Form von Samen. Ein Teil wird von der Biofarm Genossenschaft übernommen, der Rest im Hofladen verkauft oder auf Bestellung verschickt.

Die Nachfrage ist da, allerdings in überschaubaren Mengen. Denn Chia wird meist sparsam verwendet. Zu viel davon sollte man ohnehin nicht verzehren, wegen des sehr hohen Ballaststoffgehalts. Tatsächlich empfiehlt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA im Rahmen der Novel-Food-Zulassung, die tägliche Aufnahme von Chia-Samen auf 15 Gramm zu begrenzen.

Breites Einsatzgebiet

Die meisten Menschen konsumieren Chia in Form von Pudding: Die Samen nehmen ein Mehrfaches ihres Gewichts an Flüssigkeit auf und bilden eine gelartige Konsistenz. Doch ihr Einsatzgebiet ist breiter. Sie eignen sich wunderbar als Bindemittel, etwa in einem Linsenburger – dafür Chia-Samen einweichen und dazugeben.

Auch wer gerne Kerne-Cracker mag, kann einen kleinen Anteil aufgeweichte Chia-Samen zum Teig geben. In den Sterne-Gastronomie werden Chia-Samen zudem oft pur zu Crackern verarbeitet – sie lassen sich hauchdünn auswallen und trocknen.

Jetzt, da Chia auch hierzulande wächst, lohnt es sich, in der Küche damit zu experimentieren. Denn nicht nur Bienen und Böden profitieren von der Vielfalt auf dem Feld. Auch unser Mikrobiom dankt es uns, wenn wir unterschiedliche Pflanzenarten in unseren Speiseplan integrieren.

Esther Kern, bionetz.ch-Gastautorin

Mit unserem Newsletter informiert bleiben.

Mit unserem beliebten Newsletter finden Sie die neusten Bio-Themen direkt in Ihrem Posteingang.

Weitere Nachrichten