„Nachhaltige Fischfang/ bzw. Fischzucht“, dies der Schwerpunkt der bionetz.ch-GV 2009. Die Schweizer Bio-Plattform für Verarbeitungs- und Handelsunternehmen lud am Freitag, 4. 09. 2009 eine vielfältige Runde von Fachleuten und Interessierten an die Nachhaltigkeitsmesse Lifefair - www.lifefair.ch. Die angeregte Fachdiskussion zeigte: Aus Praxissicht ist v.a. die Verfügbarkeit eines breiten Qualitätsangebots wichtig.

Dieses Ziel ist mit verschiedenen hoch stehenden Nachhaltigkeitsstandards besser zu erreichen als mit einem,die Wahlfreiheit und Verfügbarkeit einschränkenden Monopol-Label.

Das Ziel der Vormittagstagung konnte erreicht werden: Eine Standortbestimmung zu den Angeboten, Labels und Zertifizierungsprogrammen und die Perspektiven für die weitere Entwicklung aufzeigen. Der Blickwinkel lag dabei bei den Auswirkungen auf die Verarbeitungs- und Handelsunternehmen, welche einen Grossteil der bionetz.ch-Mitglieder ausmachen.

Folgende dringende Praxisfragen und konkrete Antworten darauf standen im Zentrum:

  • Welche Praxiserfahrungen werden mit verschiedenen Standards gemacht?
  • Wie steht es mit der Verfügbarkeit der gewünschten Sortimente?
  • Welche Standards existieren neben Biostandards in der Fischzucht und welche sind empfehlenswert?
  • Wie steht es mit den Zertifizierungsaufwänden, Labelgebühren und weiteren Kosten?

Wettbewerb von Qualität und Angebot – auch bei den Labels

Ausgewiesene Fachleute gaben dazu den Input für eine praxisorientierte Diskussion. Toby Herrlich, Geschäftsleiter fish4future zeigte die langjährige Erfahrungen seines im Grosshandel tätigen Familienbetriebs auf. Insbesondere in der Belieferung der Gastronomie trete die Bedeutung der einzelnen Labelprogramme in den Hintergrund, zumal sich sein Unternehmen ganzheitlich auf den Einkauf nach Nachhaltigkeitskriterien ausrichte. Herrlich setzte einen Kontrapunkt zur Labelsalat-Diskussion: „So viele Labels wie möglich! Mehrere Nachhaltigkeitsstandards können sich auch positiv auf die Qualität und die Anforderungen auswirken!“, betonte Herrlich. (pdf-Info-Dokument fish4future)

Michel Steiner, Einkaufsleiter Frischprodukte Manor Food, gab eine ähnliche Einschätzung. Der Verkauf von qualitativ hoch stehendem frischem Fisch und Meeresfrüchten spielt in den Manor Food-Märkten eine grosse Rolle. „Wir haben uns zum Aufbau eines Vollsortiments nach Nachhaltigkeitskriterien entschieden. Das Nachhaltigkeitsprogramm „Friend of the Sea“ bietet uns das gewünschte Angebot,“ so Steiner zur Positionierung von Manor Food.

Hans Ramseier, Bio Suisse, Qualitätssicherung- und -Entwicklung stellte das Fischzuchtangebot vor, dass mit der Knospe erhältlich ist. Per Definition ist der Wildfang nicht biozertifizierbar, da Seen und Meere im Gegensatz zu Fischzuchtbetrieben nicht klar abgrenzbare Systeme sind. Die Bio Suisse habe keine Pläne, in diesem Bereich mit der Knospe aktiv zu werden, aber natürlich dennoch ein Interesse an der Etablierung hoch stehender Standards, so Ramseier. (pdf-Info-Dokument Richtlinien Bio Suisse) 

Praxisfachleute fordern Öffnung der Branchenplattformen

Unter den versammelten Praxis-Fachleuten zeigte sich der weit gehend gestützte Konsens, dass sich Förderplattformen wie die WWF Sea Food-Group nicht nur auf die Förderung eines einzelnen Labelprogramms konzentrieren sollten, sondern für verschiedene Standards, wie etwa das weltweit grösste aber in der Schweiz infolge "Heirat" (Heinzpeter Studer) von Coop, Migros, kaum bekannte Programm "Friend of the Sea" öffnen müssen.

Dies mit dem Ziel, durch die Förderung verschiedener Intiativen einen gesunden Qualitätswettbewerb sicher zu stellen. Dadurch müssen die gemeinsamen staatlichen und globalen Basisanforderungen weiter entwickelt werden, die bereits existieren, aber noch zu wenig weit gehen. 

Problemfelder Fischfutter und Ernährung

Dr. agr. Andreas Stamer, Fachexperte Tiergesundheit beim FiBL, zeigte den Stand der Forschung. Er wies insbesondere auch auf die Fischfutterproblematik hin, die sich auch in der Biozucht stelle. Er verwies auf Forschungsarbeiten, bei denen vermehrt Futter auf pflanzlicher Basis (z.B. Algen) oder Insektenproteine (z.B. Fliegenlarven) im Zentrum stehen. Stamer dazu: „Dies entspricht oft der natürlichen Nahrung und entlastet darüber hinaus auch die Fischbestände.“ Wichtig sei auch, vermehrt die Fischzucht von pflanzenfressenden Fischen zu fördern, was eine entsprechende Bewusstseinsbildung beim Speiseplan der KonsumentInnen bedinge.

Heinzpeter Studer, Fachstellenleiter fair-fish kam die Aufgabe zu, eine breite Übersicht zu den verschiedenen Standards und der Marktsituation aufzuzeigen. Die Organisation fair fish hat eigene Vermarktungsprojekte und setzt darüber hinaus einen Schwerpunkt beim Tierschutz, namentlich den Tötungsmethoden. Studer ging auch auf die Ernährungsempfehlung „Viel Fisch essen“ ein und stellte die Frage „Woher die Mengen?“ Der Rat von Studer: „Kauft Omega-3-Kapseln auf Algenbasis, denn von den Algen haben es die Fische!“ (pdf-Info-Dokument fair-fish)

Siehe auch bionetz.ch-Hintergrundbericht "Welcher fisch darf auf den Tisch?" von Matthias Wiesmann

Peter Jossi
www.bionetz.ch

Ihre Meinung? – Kontakt: p.jossi@bionetz.ch

Informationen:

Heinzpeter Studer, Fachstellenleiter fair-fish
www.fair-fish.ch

Michel Steiner, Einkaufsleiter Frischprodukte Manor Food
www.manor.ch

Toby Herrlich, Geschäftleiter fish4future - Grosshandel
www.fish4future.org

Dr. agr. Andreas Stamer, FiBL, Fachexperte Tiergesundheit
www.fibl.org

Hans Ramseier, Bio Suisse, Qualitätssicherung- und -Entwicklung
www.bio-suisse.ch

MSC
www.msc.org

Friend of the Sea
www.friendofthesea.org

WWF Seafood Group
www.wwf.ch/de/derwwf/zusammenarbeit/meere/

bionetz.ch

Das Netzwerk www.bionetz.ch richtet sich schwerpunktmässig an Verarbeitungs- und Handelsunternehmen, Organisationen mit Schwerpunkt in der Bio- Fair Trade-Vermarktung und einem vertieften Interesse an Nachhaltigkeitszielsetzungen in der Ernährungswirtschaft.

Bezüglich der verschiedenen Label- und Zertifizierungsangebote ist bionetz.ch unabhängig, wirkt aber auf praxisfähige Standards und Arbeitsabläufe v.a. für KMU hin.

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