Genf: Gemäss einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist DDT gefährlich für schwangere Frauen und Kleinkinder. Trotzdem hat die WHO den Vertragsstaaten der Stockholmer Konvention gestern in Genf empfohlen, das berüchtigte Insektengift im Kampf gegen die Malaria weiterhin zu zulassen. Dieser Empfehlung sind die Delegierten heute anlässlich der 5. Konferenz der Parteien gefolgt und haben ein DDT Verbot erneut hinausgeschoben. Für die Stiftung Biovision ist diese Entscheidung eine Farce.

Der aktuelle WHO Bericht vom letzten März belegt, dass das Sprayen von DDT in
Häusern ein ernsthaftes Risiko für die menschliche Gesundheit birgt. Besonders betroffen sind schwangere Frauen und Kleinkinder. In Gebieten Südafrikas, in welchen das Insektizid seit einigen Jahren wieder gegen Malariamücken eingesetzt wird, kam es vermehrt zu Aborten, Missbildungen bei Neugeborenen, sowie Schüttelkrämpfen und sogar zu Todesfällen bei Kindern. Ähnliche Befunde wurden bereits durch andere Studien erhoben. Im vergangenen November hatte eine von der Stockholmer Konvention eingesetzte Expertengruppe zudem festgestellt, dass der überwiegende Teil der 13 Staaten, in welchen DDT verwendet wird, nicht in der Lage sind, Vorschriften für einen sicheren Umgang mit dem Gift durchzusetzen. Somit ist mit illegalen Verwendungen des Insektizids in der Landwirtschaft zu rechnen. Selbst durch das Sprayen in den Häusern lassen sich Belastungen der Luft, des Boden und der Nahrung nicht vermeiden und sind nachweisbar. Besonders unheilvoll ist die Tatsache, dass die Malariamücken bereits vielerorts Resistenzen gegen DDT entwickeln.

Zweifelhafte Rolle der WHO

An der fünften Konferenz der Parteien der Stockholm Konvention (COP5), welche diese Woche in Genf abgehalten wird, legte Carolyn Vickers von der Weltgesundheitsorganisation den Staatsvertretern die besorgniserregenden Resultate des WHO Berichts dar. Trotzdem brach ihr Kollege, Jonathan Lines, kurz darauf eine Lanze für den weiteren Einsatz von DDT gegen Malariamücken. In einem Votum unterstrich der WHO Delegierte, es sei nötig, den Einsatz des Insektizids weiterhin zu zulassen. DDT werde gebraucht im Kampf gegen die Malaria, weil es vorteilhafte Eigenschaften habe wie etwa die lange Wirkungsdauer. Damit stiess er bei Michael Brander von der Stiftung Biovision auf Unverständnis. Es sei äusserst fragwürdig, dass die WHO den gesundheits- und mweltschädigenden Einsatz von DDT weiter unterstütze, obwohl die Malaria mit ökologischen Methoden sehr wirksam und umweltfreundlich bekämpft werden könne. Brander verweist auf langjährige, gross angelegte und sehr erfolgreiche Stopp Malariaprojekte in Kenia und Äthiopien, welche von Biovision unterstützt werden. Das beweise, dass DDT nun so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden sollte. „Das Ziel der Stockholmer Konvention ist der Schutz der Menschen und der Umwelt vor langlebigen, organischen Schadstoffen“, so Brander. „Mit dem Festhalten an DDT wird das verhindert“.

Medienmitteilung Stiftung Biovision

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