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Terraviva-Chronik: Wie Schweizer Gemüse «Bio» wurde

In einer breit angelegten Rückschau erzählt der Historiker Peter Moser die Geschichte von Terraviva – und damit zugleich die Entstehung des organisch-biologischen Gemüsebaus in der Schweiz.

csm PersonalAVG1993 Terraviva 1200 2a29495353Die Menschen hinter dem Unternehmen: Mitarbeiter*innen der AVG 1993. Bild: Terraviva

«Biologisch produzieren, gemeinsam vermarkten – Terraviva und die Genese des organisch-biologischen Gemüsebaus 1946–2025» so lautet der umfangreiche Titel von Mosers Chronik. Corinne Obrist (FiBL) ordnet die Publikation für BioAktuell als kenntnisreiche, wenn auch stellenweise anspruchsvolle Chronik eines Marktes ein, dessen heutige Strukturen tief in frühen Entscheidungen wurzeln.

Von der Pionierzeit ...

Im Zentrum des Werks steht der Weg von der Anbau- und Verwertungsgenossenschaft «Heimat» (AVG), gegründet 1946, zur späteren Terraviva. Der erste Teil führt durch die Pionierzeit bis Ende der 1990er und zeigt, wie Akteure wie Gottfried Etter, Hans Hurni und Hans Müller für eigene Absatzstrukturen kämpften – ergänzt durch lebensnahe Anekdoten aus dem Aufbaualltag.

Das Buch verortet den organisch-biologischen Ansatz zudem im Spannungsfeld zweier weiterer Bio-Strömungen: der natürlich-biologischen (Lebensreform) und der biologisch-dynamischen (Anthroposophie). Anhand von Konflikten mit Behörden wird sichtbar, wie um die Deutungshoheit des «Bio»-Begriffs gerungen wurde.

... zur Neuaufstellung

Der zweite Teil schildert die Neuaufstellung nach 1997: Nach einer Krise wird aus der Genossenschaft eine auf Biogemüse spezialisierte Aktiengesellschaft, die ab 2016 Terraviva heisst.

Moser beschreibt den Markt im Wandel – von Ganzjahresverfügbarkeit über Importdruck bis zu steigenden Frischeansprüchen –, verliert sich laut Obrist aber mitunter in Organisationsdetails.
Ein kritischer Punkt bleibt für Obricht aber die Quellenlage: Obwohl Frauen als wichtig benannt werden, fokussiert sich das Buch stark auf die prägenden und schriftlich gut dokumentierten männlichen Figuren. Auch Beschäftigte treten meist nur in Schlaglichtern auf. Umso eindrücklicher wirken die Archivfotografien, die den Betrieb als sozialen Ort zeigen.

Wie die Anfänge bis heute nachwirken

Aufschlussreich ist der Blick auf die Netzwerke hinter dem Boom: Das Buch zeichnet nicht nur 80 Jahre Vermarktungsgeschichte nach, sondern macht auch vergessene Querverbindungen sichtbar – etwa wie die Anfänge von Terraviva mit Biotta oder Bio Familia zusammenhingen oder wie es zur Abwesenheit der Organisation bei der Gründung von Bio Suisse und FiBL kam. So wird deutlich, wie eng Geschichte und Akteure verflochten sind – und wie stark frühe Entscheidungen den Markt bis heute prägen.

Obrist fasst entsprechend zusammen: «Wer sich für die Geschichte des Biolandbaus, für Genossenschaften oder für die Entwicklung des Biomarktes interessiert, findet hier eine reichhaltige, aufwändig recherchierte und mit persönlichen Einblicken gespickte Darstellung. Wenn auch nicht ganz leichte Kost, macht das Buch eindrücklich erfahrbar, woher die heutigen Player kommen und warum die Strukturen im Biogemüsebau sind, wie sie sind.»

Ab sofort bestellbar

Das Buch «Biologisch produzieren, gemeinsam vermarkten. Terraviva und die Genese des organisch-biologischen Gemüsebaus 1946-2025» kann direkt beim Archiv für Agrargeschichte bestellt.

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