Zum Gedenken an Thomas Vatter
Mit der Gründung des «Logischen Supermarkts Vatter» hat Thomas Vatter die Entwicklung des Bio-Handels wesentlich mitgeprägt: Die Eröffnung 1992 an bester Lage mitten in Bern markierte einen wichtigen Entwicklungsschritt des Bio-Handels. Mitte August ist Thomas Vatter gestorben – ein Nachruf von Peter Jossi.
Thomas und Claire-Lise Vatter initiieren 1992 den ersten Bio-Supermarkt der Schweiz. Bild: zVg
Bio-Fachhandelsgeschäfte, die auf relativ grosser Fläche ein derart vielfältiges Bio-Vollsortiment anboten wie der Supermarkt Vatter, hatte es bis dahin in der Schweiz noch kaum gegeben. «Bio-Vatter» bot namentlich in der Region auch wichtige Impulse für die Bio-Vermarktung, für die Bio-Landwirtschaft, für Bio-Verarbeitungsbetriebe sowie für den Grosshandels- und Logistikpartner Horai AG, der Anfang Jahr Konkurs anmelden musste.
Über die Region Bern hinaus wirkte Thomas Vatter wesentlich am Aufbau professioneller Grosshandels- und Logistikstrukturen mit. Er war Mitglied der Verwaltungsräte der Via Verde AG sowie der CoOpera-Beteiligungen AG, die man als Geburtshelfer der Bio Partner Schweiz AG ansehen kann. Als eine von vielen Pionierleistungen für den Bio- und Fairtrade-Handel gründete Thomas Vatter zur Jahrtausendwende zusammen mit Matthias Wiesmann auch die Bio-Branchen-Plattform bionetz.ch.
Thomas Vatter war auch an der Gründung von bionetz.ch beteiligt. Bild: zVg
Bereits vor der Eröffnung des Bio-Supermarkts hatte sich Thomas Vatter im Fairtrade-Bereich (Weltladen) engagiert, einem bis heute wichtigen Partnersegment der Bio-Branche. Der «Vatterland»-Standort leistete zudem wichtige Entwicklungsimpulse für die Bio-Gastronomie.
Wer als Vorreiter und im Fall von Thomas Vatter als echter «Bionier» wirkt, sorgt für Aufmerksamkeit und damit fast zwangsläufig auch für Nachahmer:innen. Das war durchaus auch die Absicht, denn der Sprung aus der Bio-Nische und die Verfügbarkeit für eine vielfältige Kundschaft bildeten ja ein wichtiges Ziel.
Über lange Zeit konnte der Logische Supermarkt Vatter als Bio-Vollsortimenter mit der Angebotsvielfalt und Innovation seine Vorreiter-Position aufrechterhalten – auch nach dem Bio-Einstieg der Grossverteiler, ab 1993 mit Coop Naturaplan. Im Verlauf der Jahre wuchsen jedoch auch die Bio-Sortimente im klassischen Detailhandel. Zudem entwickelte sich zumindest ein Bio-Grundsortiment in fast allen Kanälen und an zahlreichen Standorten zum Normalfall. Das grosse Wachstum des Schweizer Bio-Markts verteilte sich damit auf viele Kanäle und zu einem wesentlichen Anteil jenseits des Bio-Fachhandels.
CoOpera-Reise mit Eccor Natura Sí zur Fattoria di Vaira, wo Thomas Vatter mit Schutzkleidung an der Traubenernte teilnahm. Bild: zVg
Für die Schliessung des Bio-Supermarkts im Jahr 2011 waren letztlich auch die Herausforderungen am «Standort Vatter» an einem stark frequentierten Umsteigeort der Berner Verkehrsbetriebe entscheidend. Neben den damit verbundenen Vorteilen waren sowohl die externe Anlieferung-Logistik und die internen Abläufe zunehmend schwierig handhabbar.
Die notwendigen Investitionen zur Verbesserung der Situation hätten kaum amortisiert werden können. Erhalten blieb das «Vatterland» als Business- und Veranstaltungstreffpunkt mit Working Spaces und professioneller Infrastruktur – und einem hochstehenden Apéro- und Cateringangebot.
«Wir erinnern uns an einen Menschen mit humanistischer Haltung, grossem Herzen und feinem Humor – geprägt von Pioniergeist, Grosszügigkeit und einem starken Sinn für Gerechtigkeit», heisst es in der Todesanzeige. Im Namen von bionetz.ch möchte ich der Trauerfamilie unser herzliches Beileid und unsere Anteilnahme aussprechen.
Peter Jossi, Präsident bionetz.ch
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